Kiefer entspannen– Das Interview mit Dr. med. dent. Henning Keil, Zahnarzt in Iserlohn
- Petra Rimek

- vor 3 Tagen
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Kiefer entspannen: Warum Zähneknirschen mehr ist als ein Zahnproblem
Zähneknirschen & Kieferstress:
Warum die Lösung selten im Mund allein liegt
Wer morgens mit festgebissenen Zähnen und verspanntem Nacken aufwacht, sucht den Weg, den Kiefer zu entspannen.
Zähneknirschen (Bruxismus) passiert selten zufällig – und fast nie isoliert im Mund. Viele Menschen wachen morgens mit einem verspannten Nacken, Druck im Kiefer oder Kopfschmerzen auf, obwohl sie vermeintlich geschlafen haben.
Was oft übersehen wird: Zähneknirschen ist kein „falsches Verhalten“, sondern ein Regulationsversuch des Körpers. Um die Brücke zwischen klassischer Zahnmedizin und ganzheitlicher Haltung zu schlagen, spricht die Expertin für den Haltungscode®, Petra Rimek, mit dem Zahnarzt Dr. med. dent. Henning Keil.
Das Interview: Hardware schützen – Software regulieren
Petra Rimek: „Henning, viele meiner Klienten im Haltungscode® berichten mir von morgendlichen Kieferschmerzen oder einem Gefühl, als hätten sie nachts Schwerstarbeit geleistet. Als Zahnarzt siehst du die Folgen täglich in deiner Praxis. Ist Zähneknirschen aus deiner Sicht eigentlich eine Krankheit?“
Dr. med. dent. Henning Keil: „Medizinisch sprechen wir von Bruxismus. Ich würde es eher als ein Symptom bezeichnen, nicht als isolierte Krankheit. Die Zähne sind die Leidtragenden eines Prozesses, der meist ganz woanders beginnt. In der Praxis sehen wir massiven Abrieb der Zahnsubstanz – sogenannte Abrasionen – oder Risse im Schmelz. Aber das eigentliche Problem ist die Überaktivität der Kaumuskulatur und die daraus resultierende Fehlbelastung der Kiefergelenke, oft unter dem Fachbegriff CMD (Craniomandibuläre Dysfunktion) zusammengefasst.“
Petra Rimek: „Die Standardlösung ist meist die Aufbiss-Schiene. Viele Betroffene fragen mich: ‚Warum muss ich die tragen, wenn sie das Knirschen an sich gar nicht stoppt?‘“
Dr. med. dent. Henning Keil: „Das ist ein wichtiger Punkt. Die Schiene ist wie ein Schutzhelm. Sie verhindert, dass die Zähne sich gegenseitig zerstören, und sie bringt das Gelenk in eine entlastete Position. Das ist medizinisch absolut notwendig, um Folgeschäden am Zahnhalteapparat zu vermeiden. Aber – und da schließt sich der Kreis zu deiner Arbeit – die Schiene schaltet den ‚Stress-Motor‘ im Nervensystem nicht aus. Sie ist eine wertvolle mechanische Barriere, aber keine ursächliche Therapie für die zugrunde liegende Spannung.“
Petra Rimek: „Ich nenne das in meinem System oft den ‚Regulations-Stau‘. Wenn der Körper tagsüber keine Auszeiten findet, nutzt er den Kiefer nachts als Ventil. Was sind aus deiner fachlichen Sicht die häufigsten Auslöser für diese extreme Spannung?“
Dr. med. dent. Henning Keil: „Es ist ein Zusammenspiel. Natürlich prüfen wir die Okklusion – also, ob die Zähne richtig zusammenpassen. Schon eine zu hohe Füllung oder eine Krone können das System stören. Aber oft ist es die Psychosomatik: Stress und eine ungünstige Körperstatik führen dazu, dass der Tonus der Kaumuskulatur dauerhaft zu hoch ist. Der Kiefer ist funktionell eng mit der Halswirbelsäule und sogar dem Becken verbunden. Das ist eine myofasziale Kette.“
Petra Rimek: „Genau hier setzt mein Haltungscode® an. In der Phase R (Regulation) geht es darum, das Nervensystem erst einmal wieder ‚runterzufahren‘, statt es mit noch mehr Training zu belasten. Viele versuchen, den Kiefer mit Kraft locker zu machen – aber das verstärkt das Problem oft nur, oder?“
Dr. med. dent. Henning Keil: „Absolut. Gegen Spannung mit Anstrengung anzugehen, ist kontraproduktiv. In der Zahnmedizin begrüßen wir Ansätze, die den Patienten aus der reinen Passivität herausholen. Wenn ein Patient lernt, seine Körperhaltung zu regulieren und die myofaszialen Ketten zu entspannen, ist das die perfekte Ergänzung zu meiner Schienentherapie. Ich schütze die ‚Hardware‘ (Zähne), und du optimierst die ‚Software‘ (Nervensystem und Haltung).“
Petra Rimek: „Was rätst du Patienten, die trotz Schiene morgens mit Kopfschmerzen oder Nackenverspannungen aufwachen?“
Dr. med. dent. Henning Keil: „Ich rate ihnen, den Blick zu weiten. Die Schiene ist die Basis, aber man muss zusätzlich in die Eigenverantwortung gehen. Es gilt, die Verbindung zwischen Stress, Atmung und Kieferposition zu verstehen. Wenn die zahnärztliche Diagnose steht, ist eine Begleitung durch ein System wie deinen Haltungscode® extrem sinnvoll, um die Spannungsmuster nachhaltig zu lösen, statt sie nur abzufedern.“
Dein nächster Schritt zur Kiefer-Entspannung
Wenn du Zähneknirschen langfristig verändern willst, reicht es nicht, Symptome zu kontrollieren. Du brauchst ein System, das den Körper als Ganzes versteht – vom Atem bis zur Haltung, vom Kiefer bis zur inneren Ausrichtung.
Genau dort setzt der Nacken-Code Master Reset an: In der Phase R regulieren wir dein Nervensystem, damit dein Kiefer nachts nicht mehr „arbeiten“ muss.
